Ausgangspunkt seines Referats waren die Schwierigkeiten, die im demokratischen Prozess immer häufiger auftreten. Da ist der politische Wille, etwas in Gang zu setzen oder zu verändern. Experten machen sich an die Arbeit und legen einen von allen Seiten getragenen Vorschlag vor, der dann doch an der Urne scheitert. Warum? Hinnen machte gesellschaftliche Entwicklungen dafür verantwortlich. Den Behörden traut man nicht. Argumente gegen den Status Quo finden sich immer. Häufig wird aber auch die Öffentlichkeit zu spät involviert, die Stimmbürger fühlen sich übergangen. Mediation kann dazu eine Alternative sein.
Zunächst galt es aber, den Begriff zu klären. Denn die Grossgruppenmediation als solche gebe es so gar nicht, zeigte der Referent auf. Vielmehr sei sie ein gleichzeitiges Nebeneinander von Grossgruppenmethoden und Mediation. Anders als der herkömmliche Ansatz, der die Mediation erst bei oder nach einem Konflikt vorsieht, geht es bei grossen Gruppen auch darum, Mediation am Anfang einer voraussehbaren Eskalation einzusetzen.
Warum überhaupt die Arbeit in grossen Gruppen? Der Einbezug vieler Betroffener macht etwa dann Sinn, wenn der Anlass besonders komplex ist und/oder ideologische Barrieren zu überwinden sind. Auf diese Weise lassen sich Wissen und Erfahrungen der Experten und der in einen Konflikt involvierten Kreise kombinieren. Der Wunsch nach Mitsprache und Basisdemokratie und die zunehmende Nichtakzeptanz autoritären Führungsverhaltens erfordern derartige partizipative Prozesse. «Die Effektivität und Nachhaltigkeit der gefundenen Lösungen ist weitaus grösser, wenn möglichst viele Personen eines Systems gleichzeitig in die Entscheidungsfindung einbezogen werden», sagte Hinnen.
Grosse Gruppen bieten den nötigen Raum für eine konstruktive Entfaltung der Gruppendynamik. Sie erlauben dem Einzelnen, eine persönliche Benchmark mit Anderen und dem System zu setzen. Lösungsvorschläge lassen sich durch mehrere gemischte
Kleingruppen entwickeln. Als ideale Teilnehmerzahl für die Gruppen hat sich dabei die Acht erwiesen.
Hinnen zeigte anhand konkreter Beispiele – Dorfentwicklung in Männedorf ZH, Planung eines Alterszentrums in Zollikon ZH und Standortsuche nach einem Endlager für atomare Abfälle – wie es geht: Acht Personen um einen Flipchart herum arbeiten am ersten Schritt, dann wird gewechselt. Von Arbeitsschritt zu Arbeitsschritt neu zusammengesetzte Kleingruppen bewegen sich so auf einen Konsens hin. Die negative Konfliktdynamik wird gebremst. Das Bild einer grossen Halle, in der an einem Dutzend Kreise jeweils Achtergruppen der Lösung entgegen arbeiten, machte den Prozess sichtbar.
Ein typischer Verlauf eines Mediationsworkshops mit grosser Teilnehmerzahl umfasst diese Schritte:
- Einführung und Vereinbarungen (z.B. Spielregeln)
- Aufdecken von Sonnen- und Schattenseiten (Vergangenheit)
- Auslegeordnung / Interessenklärung (Gegenwart)
- Vision / Vorstellung einer positiven Situation (Zukunft)
- Definition der wichtigen Handlungs- und Aktionsfelder
- Entwickeln der Lösungsoptionen
- Bewerten der Lösungsoptionen
- Ideen zur Umsetzung und bestimmen der nächsten Schritte.
Damit eine solche Grossgruppenmediation zum Erfolg führt, sind nach Hinnen folgende Voraussetzungen nötig: Der Prozess ist in einer stark strukturierten Abfolge mit offenen Inhalten anzulegen. Werte- und Interessenkonflikte sollten dabei geklärt werden können.
Die Moderatoren und Mediierenden müssen sich strikt an das Allparteilichkeitsprinzip halten, d.h. sie dürfen keine Inhalts- und Ergebnisverantwortung übernehmen. Es braucht genügend Zeit, ein Zeitfenster für einen Workshop von z.B. anderthalb Tagen ermöglicht einen intensiven Prozess. Eine Spurgruppe kann helfen, den Prozess in die richtigen Bahnen zu lenken. Nicht vergessen gehen sollte auch die Post-Mediation. Ihr kann eine grosse Bedeutung zukommen. (Text: David Strohm)
Der Foliensatz des Referats von Hannes Hinnen findet sich hier (PDF, 2,2MB):
http://mediationsforum.ch//PDF/Aktuell/2010/H_Hinnen_GGM_MFS-GV.pdf
Dieser Text als Druckversion (PDF)
Kontakt:
Hannes Hinnen
Frischer Wind Zürich
Büro Regensberg
Unterburg 21
8158 Regensberg ZH
T: +41 44 855 40 20
hannes.hinnen@frischerwind.com
www.frischerwind.com

Gross-Mediation in Achtergruppen
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